Gesetzliche Anforderungen zur Optimierung im Unternehmen nutzen
Monika Weitz | Unternehmensbaum® | 02.10.2025
Die Einführung der E-Rechnung ist für Unternehmen in Deutschland seit 1.1.2025 verpflichtend. Zugleich entwickelt sich die Buchhaltung durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) zunehmend weiter. Für Unternehmen bieten diese Entwicklungen Chancen, das digitale Rechnungswesen zur eigenen Zukunftssicherung zu nutzen.
In diesem Beitrag fassen wir die wichtigsten Inhalte des Webinars „E-Rechnung & KI-gestützte Buchhaltung“ von Monika Weitz (Unternehmensbaum®) zusammen. Im Fokus stehen praxisnahe Einblicke in die gesetzlichen Anforderungen zur E-Rechnung, der aktuelle Umsetzungsstand sowie die Möglichkeiten der Automatisierung buchhalterischer Prozesse durch KI.
Das Ziel ist es, Ihnen konkrete Impulse für die Umsetzung der erforderlichen Prozesse zur Implementierung der E-Rechnung in Ihrem Unternehmen zu geben.

Kapitel 1: Rahmenbedingungen – worum es bei der E-Rechnung wirklich geht
Die E-Rechnung ist kein PDF, sondern ein strukturierter Datensatz (XML) nach EN 16931, der sich maschinell auswerten lässt. Genau das unterscheidet sie von allem, was wir bisher per Mailanhang oder Papier kannten.
In Deutschland gilt seit 01.01.2025: Unternehmen müssen E-Rechnungen empfangen können. Die Pflicht zur Ausstellung kommt stufenweise, sodass sich Betriebe rechtzeitig auf Format, Transportweg und Ablage vorbereiten können. Im B2G-Umfeld ist seit 27.11.2020 die XRechnung Standard; im B2B-Geschäft nutzen viele KMU ZUGFeRD – häufig das Profil „Comfort“.
Praktisch bedeutet das: Es zählt nicht länger das Bild der Rechnung, sondern der Inhalt in Feldern wie Betrag, Steuer, IBAN oder Bestellbezug. Diese Felder lassen sich automatisiert prüfen, kontieren und buchen.
Für KMU ist die Umstellung eine Chance, alte Medienbrüche (Scan, Abtippen, Mail-Weiterleitung) zu beenden und die eigenen Prozesse zu vereinfachen, ohne sofort eine Großlösung einführen zu müssen, aber mit klarem Fahrplan und einer kleinen Testphase mit einem Pilotbetrieb für die erfolgreiche Einführung der E-Rechnung im Unternehmen.
Informationen zur E-Rechnung:
BMF: Fragen und Antworten zur Einführung der obligatorischen (verpflichtenden) E-Rechnung zum 1. Januar 2025
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/e-rechnung.html
FeRD Forum elektronische Rechnung Deutschland
https://www.ferd-net.de/
Kapitel 2: E-Rechnung in der Praxis – Vom Eingang bis ins Archiv
In der Praxis beginnt alles mit einem zentralen Eingangskanal: Peppol, ein Behörden-Portal oder eine definierte E-Mail-Adresse für strukturierte Rechnungen. Dort kommen E-Rechnungen als XML an und lassen sich in einem Viewer menschenlesbar direkt darstellen ohne PDF-Umwege. Anschließend entscheidet die Schnittstelle über den Automatisierungsgrad: Vom reinen Belegbild ohne Datensätze oder von Belegbildern mit fertigen Buchungssätzen und Stammdaten, ist alles möglich.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst prüfen und freigeben, dann buchen.
Für die Ablage gilt: Die E-Rechnung wird im empfangenen Format, also als XML-Datei, revisionssicher gespeichert; ein PDF wird nur zusätzlich gespeichert, wenn dort steuerlich relevante Zusatzinformationen stehen. Wer so vorgeht, reduziert Tippfehler und Rückfragen, bekommt tagesaktuelle OP-Listen und hat die Grundlage für spätere Automatisierung geschaffen.
Der praktikable Einstieg für KMU: ein kurzer Lieferantenbrief mit gewünschtem Format und Versandweg, ein 3-Partner-Pilot mit echten Testfällen und eine kleine Checkliste für Freigaben und Stammdaten (z. B. Leitweg-ID im B2G).
Kapitel 3: Auswirkungen auf Ein- und Ausgangsprozesse – was sich konkret ändert
Der größte Unterschied zeigt sich in den Abläufen.
Im Eingang entfallen Scannen und Abtippen; stattdessen laufen E-Rechnungen gebündelt in einen Kanal. Eine kurze fachlich-technische Prüfung (Pflichtfelder, Steuerlogik, Duplikate, IBAN) geht der Freigabe voraus, die mit Rollen, Betragsgrenzen und, wenn vorhanden, Bestellabgleich arbeitet. Erst danach werden (Vor-)Buchungen erzeugt. Das macht den Audit-Trail sauber und senkt Korrekturen.
Im Ausgang wird je Empfänger das passende Format gewählt, B2G-Adressen (Leitweg-ID) werden in den Stammdaten gepflegt, Versand- und Empfangsnachweise werden gesichert.
Typische Stolpersteine sind:
- „PDF = E-Rechnung“ ⇨ Nein, nur das XML-Format ist gültig für die E-Rechnung
- „XML kommt nicht in die Finanzbuchhaltung“ ⇨ XML-Verarbeitung über Schnittstelle
- „Testphase vor Start nicht erforderlich“ ⇨ Pilotierung vor Go-Live durchführen
- „Archiv ist nicht notwendig“ ⇨ XML als Original und Protokolle revisionssicher archivieren
- „B2G ohne Leitweg-ID“ ⇨ Rückläufer, Rechnung wird nicht ausgeglichen
Mit einer Testphase für die Pilotierung der Systeme, Schnittstellen und Abläufe, klaren Freigaberegeln und gepflegten Stammdaten wird aus der E-Rechnungspflicht ein stabiler, schneller Prozess.
Das Unternehmen gewinnt, die Möglichkeit ein strukturiertes und effizientes Controlling aufzubauen sowie Dokumentations- und Arbeitsabläufe zu optimieren zur Sicherung der eigenen Zukunftsfähigkeit.
Kapitel 4: GoBD, Archivierung & Verfahrensdokumentation – prüfbar aus einem Guss
GoBD-konforme Prozesse sind keine Bürokratieübung, sondern die Absicherung dafür, dass alles nachvollziehbar bleibt. Kernprinzipien sind Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit (Protokolle), zeitnahe Erfassung und maschinelle Auswertbarkeit.
Für E-Rechnungen bedeutet das: XML ist das führende Original und wird im empfangenen Format elektronisch und systematisch archiviert; ein PDF wird nur zusätzlich archiviert, wenn es steuerlich relevante Zusatzinformationen enthält.
In Prüfungen braucht es klaren Datenzugriff: Nur-Lesen im System (Z1), maschinelle Auswertung durch das Unternehmen (Z2) oder Datenexport (Z3).
Die GoBD-Verfahrensdokumentation bündelt das Ganze: Abläufe vom Eingang bis zum Archiv, beteiligte Systeme/Schnittstellen/Formate, Rollen und Rechte, Protokolle und Notfallregeln. Sie wird versioniert gepflegt und mindestens jährlich überprüft.
Ergebnis: Weniger Risiko in der Prüfung, klare Verantwortlichkeiten im Alltag und eine Basis, auf der sich Automatisierung sicher ausbauen lässt. Die GoBD-Verfahrensdokumentation dient auch als Arbeitsanleitung für die Mitarbeitenden im Unternehmen.
Informationen zur GoBD:
Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD); Änderung aufgrund verschiedener gesetzlicher Änderungen – Gültig seit 01.01.2015
Kapitel 5: E-Rechnung in KI-gestützter Buchhaltung – vom Datensatz zum Nutzen
E-Rechnungen liefern genau das, was KI braucht: strukturierte Felder statt Textbilder. Dadurch werden Vorkontierungsvorschläge möglich (Konto, Kostenstelle, Projekt), Anomalien fallen früh auf (ungewöhnliche Beträge, geänderte IBAN, abweichende Zahlungsziele), Duplikate lassen sich automatisch erkennen und Zahlungs- und Skontopläne besser steuern.
Für den Start genügt ein kleines Setup: Saubere E-Rechnungsquelle (kein OCR), minimale Stammdatenqualität (Lieferant, Skonto, Konten-Mapping), eine Schnittstelle, die Daten und Belegbild übergibt, und ein einfacher Feedback-Loop, in dem Korrekturen die nächsten Vorschläge verbessern.
Governance bleibt wichtig: Jede Änderung wird protokolliert, archiviert wird weiterhin das XML, Exporte für Prüfungen sind testbar.
Das Zielbild ist pragmatisch: Automatisch vorgearbeitet, der Mensch prüft Ausnahmen, so entsteht Entlastung ohne Kontrollverlust.
Kapitel 6: Risiken & Chancen – Fehler vermeiden, Potenziale heben
Die häufigsten Risiken sind hausgemacht: Das Gleichsetzen von PDF und E-Rechnung, eine reine Format-Umstellung ohne Prozess-Anpassung, fehlende Pilotläufe, ein Archiv ohne Protokolle oder der Versand an Behörden ohne Leitweg-ID.
Die Gegenmittel sind überschaubar: Ein kurzer Format- und Versandhinweis an Lieferanten, eine früh getestete Schnittstelle zur Finanzbuchhaltung, eine GoBD-Verfahrensdokumentation mit klaren Rollen und eine Stammdatenpflege, die Zustellwege sichert.
Dem stehen echte Chancen gegenüber: Zeitgewinn durch automatisierte Beleg- und Buchungssatz-Verarbeitung, mehr Qualität durch lückenlosen Audit-Trail, Transparenz durch tagesaktuelle OP-Listen und eine solide Grundlage für KI-gestützte Automatisierung.
Wer die Risiken aktiv minimiert, gewinnt einen schnelleren, stabileren Prozess – und vermeidet kostspielige Korrekturen z.B. im Rahmen von Betriebsprüfungen oder anstehenden Testaten von Wirtschaftsprüfern.
Kapitel 7: Kurz-Check – sieben Häkchen bis zum erfolgreichen E-Rechnungs-Go-Live
Der Quick-Check bündelt die Praxisfragen:
- Sind die Empfängermatrix und, falls nötig, die Leitweg-ID geklärt?
- Steht das Format/Profil (B2G = XRechnung, B2B häufig ZUGFeRD Comfort)?
- Ist der Schnittstellenweg in die Buchhaltung entschieden (Beleg- oder Buchungssätze)?
- Gibt es einen Piloten mit drei Partnern und echten Testfällen?
- Ist das Archiv GoBD-konform (XML als Original, Exporte testbar)?
- Sind Rollen, Freigabegrenzen und, wenn verfügbar, Bestellabgleich dokumentiert?
- Liegt eine kurze, aktuelle GoBD-Verfahrensdokumentation vor?
Wenn hier sieben Häkchen gesetzt sind, ist das Unternehmen nicht nur rechtskonform, sondern arbeitsfähig: Rechnungen laufen durch, Verantwortungen sind klar, Nachweise sind vorhanden und der Ausbau in Richtung Automatisierung und KI kann ohne weitere Umbauten erfolgen.
Kapitel 8: Fazit
Mit der Einführung der E-Rechnung im Unternehmen erfolgt nicht nur ein Formatwechsel vom PDF oder Papier zur strukturierten Rechnung, sondern es ist der Weg zum digitalen Rechnungswesen. Mit KI-Unterstützung folgt ein weiterer Meilenstein für die zukunftsfähige Unternehmensführung. Abwarten bis zum Fristablauf ist kontraproduktiv für das Unternehmen.
Nutzen Sie die Zeit zur passenden Format- und Systemauswahl, für die Schnittstellen-Einrichtung, die Prozess-Entwicklung, für Tests zur Pilotierung der E-Rechnung, für die Erstellung von GoBD-Verfahrensdokumentation als Arbeitsanweisungen und für Prüfstellen. Binden Sie Ihre Mitarbeiter von Beginn an in die Prozess-Optimierungen mit ein und nutzen Sie die Schwarm-Intelligenz Ihres Unternehmens.
Nutzen Sie Zuschüsse für Ihre Digitalisierung aus den Förderprogrammen der BAFA, des RKW Hessen und im Rahmen eines DIGI-Zuschusses. Förderberater unterstützen Sie bei der Abwicklung.
Viel Erfolg auf Ihrem persönlichen Weg zum KI-gestützten digitalen Rechnungswesen in Ihrem Unternehmen wünscht Ihnen
Monika Weitz
Kontakt zur Referentin:
Monika Weitz
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